Victoria Falls

Dienstag, 16. September - Donnerstag, 18 September 2025


Unser Abenteuer beginnt um 21.00 Uhr in Zürich mit der Äthiopian Airlines. Über Mailand geht es Richtung Afrika, wobei der Zwischenstopp dort unerwartet lange dauert – fast drei Stunden. Müde, aber voller Vorfreude setzen wir die Reise fort und landen schliesslich mit grosser Verspätung um 7.30 Uhr in Addis Abeba. Zum Glück verzögert sich auch unser Anschlussflug, der eigentlich um 8.45 Uhr starten sollte. So bleibt uns genügend Zeit zum Umsteigen. Um 9.30 Uhr heben wir erneut ab und erreichen Victoria Falls um 13.30 Uhr.

Die Einreise verläuft erfreulich unkompliziert. Dank des bereits zu Hause gelösten E-Visums geht die Passkontrolle schnell. Besonders erleichtert sind wir, als auch unser Gepäck unversehrt auf dem Laufband erscheint. Alles ist gut gegangen – jetzt können unsere Ferien endlich beginnen.

Am Ausgang wartet bereits der vom Hotel organisierte Taxifahrer auf uns. Noch schnell besorgen wir uns eine SIM-Karte für Simbabwe, dann erreichen wir nach nur zehn Minuten Fahrt unsere Unterkunft, die „The Courtney Lodge“.

 

Die Lodge liegt mitten in einem liebevoll gepflegten Garten und verfügt über zehn saubere, geschmackvoll eingerichtete Zimmer. Im Aufenthaltsraum und auf der Veranda fühlt man sich sofort in die Kolonialzeit zurückversetzt. Obwohl das Gebäude erst vier Jahre alt ist, wurde der Charme vergangener Zeiten wunderbar bewahrt. Das Inhaberpaar ist äusserst aufmerksam, hilfsbereit und sichtlich stolz auf ihr kleines Bijou.

 

Da der Koch heute seinen freien Tag geniesst, bestellen wir unser Nachtessen über die Lodge in einem externen Restaurant. Leider hält sich unsere Begeisterung über das Essen in Grenzen – doch nach dieser langen Reise sind wir ohnehin froh, den Tag ruhig ausklingen lassen zu können.

 

Nach einem feinen Frühstück auf der Veranda machen wir uns mit demselben Taxifahrer wie am Vortag auf den Weg zur Grenze Simbabwe/Botswana. Die 80 Kilometer lange Fahrt dauert gut eine Stunde. Der Grenzübertritt selbst ist schnell erledigt – nach rund 15 Minuten ist alles vorbei, völlig problemlos. Zu Fuss gehen wir vom simbabwischen Zollposten hinüber zum botswanischen.

Direkt nach der Grenze in Kazangula warten wir auf dem vereinbarten Parkplatz auf den Fahrer von Bushlore. Die Uhr zeigt längst nach 10.00 Uhr, unsere Geduld wird zunehmend strapaziert. Schliesslich nehmen wir für 3 US-Dollar ein Taxi. In der Bushlore-Vertretung in Kazangula sorgt unser Erscheinen per Taxi für keinerlei Überraschung.

 

Nun beginnt der Papierkrieg: Formular um Formular wird ausgefüllt, bis wir endlich das Auto übernehmen können. Bei Rolf und Heidi zieht sich die Übergabe über mehr als drei Stunden hin. Nach dem langen Warten begnügen wir uns mit einem kurzen Rundgang. Als das Fahrzeug mit offenem, nicht zugedecktem Dachzelt in den Übergaberaum fährt und ich die Matratze sehe, ist jedoch sofort klar: Dieses Dachzelt muss ersetzt werden - ein neueres Modell ist nötig.

 

 

Den ersten Grosseinkauf erledigen wir noch in Kazangula. Botswana soll günstiger sein und eine grössere Auswahl bieten. Auf Frischprodukte wie Früchte, Gemüse oder Fleisch verzichten wir allerdings, da unklar ist, ob an der Grenze Kontrollen stattfinden. Am späteren Nachmittag fahren wir nochmals zur Grenze, um gemeinsam mit einem Bushlore-Mitarbeiter die Zollpapiere für die Fahrzeuge zu erledigen. Die Namen auf den Dokumenten müssen exakt mit unseren Ausweisen übereinstimmen – daher die Fahrzeugübernahme in Kazangula.

 

Nach diesem ereignisreichen Tag lassen wir den Abend entspannt ausklingen. Der Lodgekoch verwöhnt uns mit einem liebevoll zubereiteten Filet Stroganoff, davor eine Suppe und zum Dessert Apple with Crumble on a Cream. Müde, aber zufrieden, endet ein weiterer intensiver Reisetag.


Viktoria Falls - Hwange Nationalpark

Donnerstag, 18. September - Sonntag, 21. September 2025


Donnerstag:

Früh am Morgen packen wir unsere sieben Sachen in unsere Land Cruiser, geniessen nochmals das Frühstück auf der Veranda und machen uns dann auf den Weg zum Supermarkt, um frische Produkte einzukaufen.

 

Die Fahrt nach Hwange NP ist gar nicht so schlecht: ein paar Schlaglöcher. Am Strassenrand grasen immer wieder Rinder – was heisst grasen, sie fressen das Heu direkt vom Feld. Alles ist vertrocknet und gelbbraun.

 

Zuerst fahren wir das Tusker Camp an. Drei europäische Wohnmobile haben die Campsite bereits belegt, das vierte war noch im Anflug – wir haben es unterwegs gleich zweimal überholt. Früher, vor zehn Jahren, lag das Tusker Camp ganz in der Nähe der Ivory Lodge, und man durfte sogar deren Hide benutzen. Das war einmal … In der Zwischenzeit wurde die Campsite verlegt.

 

Also fahren wir weiter zum Main Gate des Hwange Nationalparks und richten uns auf der Campsite direkt beim Haupteingang ein. Unsere erste Nacht im Zelt. Wir vier freuen uns riesig darauf.

Am Lagerfeuer braten wir unsere Burewurst, und auf dem Gaskocher kochen wir Gemüsereis. Die sanitären Anlagen sind ganz in Ordnung. Das Wasser wird mit Holz in einem «Aussenboiler» aufgeheizt – eine gute Sache. Doch wenn die Kaltwasserzufuhr nicht funktioniert, kann das Duschen ziemlich ungemütlich werden. Dann ist man schneller fertig, als wenn nur kaltes Wasser kommt!

 

Freitag:

Gemütlich packen wir am Morgen unser Zelt zusammen. Beim ersten Mal dauert alles noch ein wenig länger, aber wir lassen uns Zeit. Dabei merken wir, dass unser Kühlschrank nicht mehr läuft. Jürg und Rolf machen sich sofort ans Kontrollieren: alles wird geprüft, der Kühlschrank ausgebaut und an Rolfs Anschluss getestet. Zum Glück ist er in Ordnung – die Ursache ist schnell gefunden: Die zweite Batterie im Fahrzeug ist komplett entladen. Jürg nimmt Kontakt mit Bushlore in Kazangula auf, schildert das Problem und kann organisieren, dass am nächsten Tag eine neue Batterie nach Hwange gebracht wird. Erleichtert frühstücken wir und machen uns anschliessend auf den Weg in den Nationalpark.

 

Während des ganzen Tages begegnen uns immer wieder Elefanten, die uns wie stille Begleiter auf unserer Fahrt vorkommen. Tiermässig fällt der Safaritag eher mager aus: Elefanten, Kudus, Affen, viele verschiedene Vogelarten und ein Sekretär-Pärchen. Doch die Landschaft, trocken und von der Trockenzeit gezeichnet, bringt uns immer wieder zum Staunen. Dass hier überhaupt Tiere Nahrung finden, erscheint uns rätselhaft. Schon bei den Rindern entlang der Strasse hatten wir uns ähnliche Gedanken gemacht. Und doch scheint sich das Ökosystem irgendwie selbst zu regulieren – sonst gäbe es in diesem Land wohl längst kein Leben mehr.

 

Unser Nachtlager schlagen wir im Ngweshia Camp auf. Tagsüber ist es eine Picnic Site für alle Parkbesucher, nachts jedoch ein exklusives Camp für jeweils nur eine Reisegruppe. Wir sind also mit unseren zwei Fahrzeugen ganz allein und werden von zwei Campaufsehern betreut. Sie machen uns Feuer im Grill und in der Bodenfeuerstelle, wünschen uns gegen sieben Uhr gute Nacht und verschwinden in ihr kleines Häuschen. Wir braten unsere Rindersteaks und sitzen gemütlich ums Feuer, als plötzlich alles ganz anders kommt.

 

Auf einmal springt Jürg auf, leuchtet mir mit seiner Stirnlampe direkt ins Gesicht und ruft ganz aufgeregt: „Da isch än..! Was isch da? Än Elefant direkt hinder mir – han dä Rüssel direkt hinder mir gspürt!“ Und tatsächlich: Da steht er. Majestätisch, ruhig, und schaut uns an, als würde er die Welt nicht mehr verstehen. Offenbar sitzen wir genau auf seinem gewohnten Weg zum Tor. Mit langsamen, gelassenen Bewegungen schreitet er um das Auto von Rolf und Heidi herum, geht zum mit einem Riegel verschlossenen Eingangstor – und schwupps, öffnet es ganz einfach selbst und zieht weiter. Noch lange hören wir ihn direkt hinter dem Zaun gemütlich fressen.

 

In der Nacht hören wir Elefanten, die miteinander streiten. Und am Morgen, gegen vier Uhr, beginnt ein Löwe direkt vor dem Eingangstor laut und stöhnend zu brüllen. Obwohl die Campaufseher seit längerer Zeit keine Löwen mehr gesehen haben. Später sehen wir seine Spuren und Pfotenabdrücke genau vor dem Tor, wo er offenbar eine Pause eingelegt hatte.

 

Wildlife pur.......

 

Samstag:

Um 5 Uhr ist Tagwache, damit wir einen Morning-Drive machen können – in der Hoffnung, den Löwen zu sehen, der unsere Nachtruhe arg gestört hatte. Das Frühstück packen wir ein und fahren ganz gezielt in Richtung Kennedy 2. Auf dem Weg sehen wir leider keine Tiere, auch unseren Löwen nicht.

 

Gefrühstückt wird im Hide mit Blick auf das Wasserloch. Kein Schwanz in Sicht, doch dann taucht eine Hyäne auf. Ganz vorsichtig kommt sie zum Trinken und verschwindet danach wieder blitzschnell. Eine siebenköpfige Bachelor-Herde Kudus überrascht uns. Zum ersten Mal sehen wir so wunderschöne Kudus – ihre Hörner sind unglaublich imposant. Ein Highlight sondergleichen!

 

Gegen Mittag erreichen wir den Dopi-Hide. Dort bereiten wir unseren Hörndlisalat zu und warten beim Essen auf Besucher am Wasserloch. Sieben Giraffen kommen auf uns zu, doch etwas weiter vorne gibt es noch eine Wasserstelle, und alle bewegen sich dorthin. Auch die aus dem Nichts auftauchende Elefantenherde entscheidet sich gegen unser Wasserloch. Schade.

Dann aber besuchen uns doch noch eine seltene, wunderschöne Pferdeantilope, eine Giraffe und verschiedene Kudus.

 

Bushlore hatte uns versprochen, um 15.00 Uhr am Main Gate die Batterie zu bringen. Also fahren wir zurück ins Camp und warten. Ein Telefonanruf klärt uns darüber auf, dass die Batterie erst am kommenden Tag transportiert werden kann. Grenzübertritt um 6.00 Uhr, Ankunft in Hwange zwischen 9 und 10 Uhr. Begeistert über diese Nachricht sind wir gar nicht.

 

Ganz in der Nähe des Campings befindet sich die lokale Küche für die Angestellten des Parks. Am Abend wird auf der Feuerstelle in Dreibeintöpfen heimischer Maisbrei mit einer grossen Holzkelle gerührt – ein richtiger Kraftakt. Pouletstücke werden in Wasser gekocht, während auf einer dritten Feuerstelle Öl erhitzt wird, damit das Poulet anschliessend frittiert werden kann. Die Hühnerbouillon wird mit Gemüse verfeinert. Nach Feierabend kommen die Angestellten mit Tellern oder Schüsselchen, um ihre Mahlzeit abzuholen.

Am frühen Morgen wird das Feuer erneut entfacht: Tee wird aufgebrüht (er sieht aus wie milchiger Schwarztee) und Eier werden gekocht. Ein tägliches Frühstück für die Parkangestellten – hartgekochte Eier, Brot und Tee.

Im Main-Gate-Restaurant essen wir Steak mit Pommes zum Nachtessen. Das Fleisch in Simbabwe ist gut.

Wie jeden Abend zünden wir ein Lagerfeuer an. Doch alle vier sind nach diesem erlebnisreichen Tag müde, und so gehen wir recht früh ins Bett.

 

Sonntag:

Sobald es hell wird, beginnen die Aktivitäten rund um unser Zelt. Rolf und Heidi machen sich bereit – sie fahren heute nach Bulawayo zu ihrem Freund Kurt. Wir bleiben hier und warten auf den Mechaniker.

 

Gemäss den Informationen soll die Strasse nach Bulawayo so schlecht sein, dass man mit rund siebeneinhalb Stunden Fahrtzeit rechnen muss. Schon bald entschliessen wir uns, eine Weiterfahrt gar nicht mehr in Betracht zu ziehen. Die Bedenken, in die Nacht hinein zu kommen, sind zu gross. Unsere Buchung im Farmhouse beim Matopo NP-Eingang können wir zum Glück auf morgen verschieben.

Der Mechaniker erscheint um 9.45 Uhr. Er bringt eine neue Batterie mit, ersetzt die alte und kontrolliert die Stromverkabelung am Fahrzeug. Jetzt sollte alles i.O. sein – das hoffen wir nun ganz fest.

 

Wir machen einen gemütlichen Nichtstun-Tag. Ordnen einmal all unsere Sachen im Auto und freuen uns auf morgen. Rolf ruft uns nach ihrer Ankunft in Bulawayo an und teilt uns mit, dass sie die Strecke in fünfeinhalb Stunden zurückgelegt haben. Super!

 

Wir telefonieren mit Tino und seiner Familie – zu Hause ist alles i.O. Vom Sitterhöfli bekommen wir Fotos von Rex. Er liegt zusammen mit zwei Kumpels an einem Ort und sieht ganz entspannt aus. Wir sind froh, dass es ihm gut geht.

 

Nach einem feinen Teller Spaghetti packen wir alles zusammen und gehen recht früh zu Bett.

 


Hwange NP - Matopo Nationalpark

Montag, 22. September - Dienstag, 23. September 2025


Montag: 

Heute können auch wir weiterfahren.
Auf dem Campingplatz stehen fünf von Bushlore gemietete Hilux mit je zwei Dachzelten – also vier Personen pro Fahrzeug. Wow! 

Aufstehen, Zelt einpacken, Tee geniessen, und dann geht es los Richtung Bulawayo.

 

Nach ca. 110 km erreichen wir den Halfway Kiosk. Leider gibt es nur noch den Kiosk; das frühere Restaurant/Hotel steht nur noch als Ruine da. Schade um die einst so schön angelegte Anlage. Vor zehn Jahren konnte man hier noch gemütlich einen Kaffee geniessen. Halfway heisst der Ort, weil man sich hier genau auf halbem Weg zwischen Victoria Falls und Bulawayo befindet.

Unser Ziel war es, hier zu frühstücken. Also stellen wir unser Auto vor dem Kiosk ab, breiten das Tischtuch auf einem Steintisch aus und bereiten unser Frühstück vor. Im hinteren Teil des Kiosks herrscht Betrieb.

 

Ein Simbabwer hängt längsgeschnittene Fleischstücke an einer Schnur auf. Wie er uns in gutem Englisch erklärt, hat er gerade Elefantenfleisch für Biltong zugeschnitten. Innerhalb von etwa fünf Tagen sollte das Fleisch so trocken sein, dass man es lagern und geniessen kann. Ein ausländischer Trophäenjäger (er bezahlt rund 60’000 US-Dollar) hat den Elefanten geschossen, und das Fleisch wurde anschliessend in der Bevölkerung verteilt.

 

Ein Lastwagenchauffeur, der täglich die Strecke Bulawayo–Victoria Falls hin und zurück fährt – auf der Hinfahrt mit Betonsäcken beladen und auf dem Rückweg leer –, erzählt uns aus seinem Leben. Es ist immer wieder spannend, Menschen aus ganz anderen Kulturen und mit völlig anderem Hintergrund zuzuhören. Gleichzeitig stellen wir fest, dass die meisten Leute in Simbabwe zwar zufrieden, aber nicht wirklich glücklich sind. Die momentane Situation macht ihnen zu schaffen. Ein grosser Teil der Bevölkerung ist arm und hat kaum Perspektiven.

 

Die Fahrt verläuft insgesamt nicht schlecht, doch die Strasse ist in einem miserablen Zustand.

Umleitungen führen uns immer wieder um Baustellen herum. Dass sich dieser Strassenabschnitt jemals in einem guten Zustand präsentieren wird, glauben wir kaum. Überall wird mit Bauarbeiten begonnen, doch nirgends sieht man ein Ende.

 

The Farmhouse, wo wir für zwei Nächte ein Chalet mit Halbpension gebucht haben, liegt etwa 40 km ausserhalb von Bulawayo an der Strasse zum Matobo-Nationalpark. Wir telefonieren mit meinen Eltern. Das Nachtessen wird uns auf der Veranda in einem schön angelegten Garten serviert. Vor dem Essen sitzen wir zusammen mit André und Kenny (den Lodgebetreibern) sowie zwei urigen Simbabwern aus Bulawayo an der gemütlichen Bar und nehmen einen Apéro. Es wird viel gelacht. Jürg und ich verstehen allerdings nur etwa die Hälfte – die Einheimischen haben einen furchtbaren Dialekt und sprechen für uns einfach viel zu schnell.

 

Dienstag:

Nach dem Frühstück um 8.30 Uhr werden wir von Andi (Weisser Simbabwer) Freelancer von Black Rhino Safaris abgeholt. Zuerst fahren wir zum Parkeingang und anschliessend weiter zu den Felszeichnungen. Von Andi erfahren wir viel Wissenswertes über die Felsmalereien, die Felsformationen, aber auch über die Vegetation und das Wildlife im Park.

 

Obwohl wir eigentlich nicht gezielt Tiere sehen wollen, überraschen uns zwei Breitmaulnashörner – eine Mutter mit ihrer Tochter. Gemeinsam mit Andi gehen wir bis auf etwa 30 Meter an sie heran. Dies sei der Abstand, bei dem sich das Tier noch nicht bedroht fühle. Die Mutter ist sehr aufmerksam: Ihre Ohren bewegen sich ständig hin und her, und mit einem Bein wirkt sie jederzeit startbereit für einen Angriff, doch insgesamt erscheint sie erstaunlich relaxt. Ebenso ihre Tochter, die seelenruhig ein Pfüsi macht.

 

Das Grab von Cecile Rhodes liegt auf einem Hügel, umgeben von riesigen Granitfelsen. Die Aussicht von hier oben ist fantastisch, und uns wird sofort klar, warum dieser Ort „View of the World“ genannt wird. Auch hier bringt uns Andi die Geschichte Simbabwes näher. Spannend …

Zurück im Farmhouse wird uns Lasagne mit Salat serviert. Heute gibt es Lunch und kein Diner bei uns. Nach einer längeren Siesta telefonieren wir noch mit Marina und Silvio.

 


Matopo NP - Lake Kyle (Mutirikwe) - Great Zimbabwe (Ruinen)

Mittwoch, 24. September - Samstag, 27.09.2025


Mittwoch:

Nach einem stündigen Morgenspaziergang zur Plattform – wir sehen Zebras, Giraffen, Gnus und Warzenschweine (im eigenen Wildlifepark) - und einem ausgiebigen Frühstück fahren wir zurück nach Bulawayo und dann weiter Richtung Gwere.

 

Bei der ersten Toll-Stelle warten Heidi und Rolf schon auf uns. Wie vorausgesagt, ist dieser Strassenabschnitt nicht vergleichbar mit dem von Victoria Falls nach Bulawayo: keine Potholes!

Von Gwere aus fahren wir südöstlich Richtung Masvingo. Das Gebiet ist hügelig und führt uns an verschiedenen Minen vorbei. Was hier genau abgebaut wird, wissen wir nicht – Gold, Eisen, Silber?

In Masvingo, einer richtig afrikanischen Stadt, kaufen wir im Pick and Pay ein. Da wir am Morgen Great Zimbabwe besuchen möchten, peilen wir einen Campingplatz in der Nähe der Ruinen an.

Bei unserer Ankunft herrscht in der Anlage von "Clever Lakeview Resort" reges Treiben. Eine zweitägige Konferenz nimmt das ganze Areal ein, sogar auf den zwei Stellplätzen für Camping sind Ausstellungzelte aufgebaut. Wir dürfen schließlich auf einer Wiese unsere Dachzelte aufstellen. Sogar eine Grillwanne mit Feuerholz bringen uns die Resort-Angestellten, sodass wir gemütlich unsere Burewurst grillieren können.

Donnerstag:

Gegen Morgen werden wir von einem seltsamen Geräusch geweckt. Sind das Regentropfen oder ein Rasensprenger? Nein, es sind wirklich Regentropfen. Es regnet. Zum Glück können wir unter Dach frühstücken – Campen im Regen ist echt nicht unser Ding.

 

Und jetzt? Die Ruinen von «Great Zimbabwe» zu besuchen, macht bei diesem Wetter überhaupt keinen Sinn. Bald sind wir uns einig: Wir brauchen ein Hotel, mindestens für zwei Nächte.

Auf der anderen Seite des Sees wurde uns eine Lodge mit Safarizelten empfohlen. Als wir dort ankommen, gibt’s erstmal eine Enttäuschung: Alles ausgebucht! Nur eine Selbstversorger-Villat ist noch frei – und die erreicht man nur per Boot.

 

Nach kurzem Überlegen entscheiden wir uns, alles zusammenzupacken – unsere sieben Sachen, inklusive Essen – und mit dem Boot zu unserer neuen Unterkunft zu fahren. Ein Haus direkt am See, mit eigenem Bootssteg… ja, das hat schon was!

Auf dem Weg sehen wir vom Boot aus sogar ein Nilpferd. Wahnsinn. Das Wohnzimmer ist riesig, mit großen Fenstern, durch die wir direkt auf den See blicken. So schön! Nur das Wetter bleibt mies und richtig kalt. Aber trotzdem… es ist irgendwie gemütlich hier. Fast so, als ob der Regen dazugehört.

 

Freitag:

Heute ist Ruhetag. Der Garten rund um unsere Villa ist einfach traumhaft – ein kleiner Paradiesgarten, liebevoll bepflanzt und gepflegt, voller Gemüse, Blumen und Kräuter. Man merkt richtig, wie viel Herzblut darin steckt. 

 

Wilhelm, der Besitzer, kommt ursprünglich aus Holland. Den Großteil der Anlage hat er aus Materialien aus der Umgebung gebaut, vor allem die beeindruckenden Steinkonstruktionen der Häuser. Er scheint ein richtiger „Baumensch“ zu sein – alles hat er selbst entworfen und gebaut. Wir sind fasziniert, wie viel Geduld, Kreativität und Können darin stecken müssen.

 

Am liebsten hätten wir im Wohnzimmer ein Feuer angezündet. Es ist unangenehm kalt, und ein knisterndes Feuer hätte die perfekte Gemütlichkeit gebracht – doch leider gibt es keine Feuerstelle drinnen.

 

Der ganze Tag ist grau und bedeckt, immer wieder fallen ein paar Tropfen Regen, und ab und zu schafft es die Sonne, vorsichtig zwischen den Wolken hindurchzuscheinen. Es hat etwas Beruhigendes, fast wie eine leise Melodie, die den Tag trägt.

Samstag:

Da wir eigentlich täglich sehr früh zu Bett gehen, stehen wir automatisch auf, sobald die Sonne aufgeht. Um 8:00 Uhr werden wir mit dem Boot von der gegenüberliegenden Lodge abgeholt. Unsere sieben Sachen verstauen wir wieder ordentlich im Fahrzeug – jedes Stück hat seinen festen Platz. Gut organisiert zu sein ist wirklich die halbe Miete im Leben.

 

Dann geht es zurück nach Masvinga, wo wir einen Großeinkauf im Pick n Pay erledigen. Der Laden ist rappelvoll mit Menschen, die offensichtlich Zahltag hatten – ein wahres Shopping-Chaos! Danach machen wir uns auf den Weg Richtung Great Zimbabwe.

 

Beim Hotel Great Zimbabwe checken wir auf dem Campingplatz ein und fahren anschliessend zu den Ruinen. Mit einem Guide erkunden wir die gesamte Anlage. Es ist unglaublich spannend zu erfahren, wie diese Bauwerke entstanden sind – Wände aus Steinen, elf Meter hoch, ganz ohne jeglichen Bindemittel!

 

Zurück auf dem Campingplatz merken wir, dass wir nicht allein sind. Weitere Touristen verbringen die Nacht auf diesem Platz. Zum Abendessen gibt es die Resten der Spaghetti vom Vortag – auch das hat irgendwie seinen eigenen Charme.

 


Great Zimbabwe Ruinen - Gonarezhou NP

Sonntag, 28. September - Mittwoch, 1. Oktober 2025


Sonntag:

Wir entscheiden uns, nicht der Hauptverbindung nach Chiredzi zu folgen, sondern einen direkten Weg über Renco zu nehmen – auf einer gelben Straße statt der roten. Endlich spüren wir das echte Afrika! Entlang der Straße pulsiert das Leben: kleine Dörfer, Gruppen von Rundhäusern und Menschen, die gemächlich der Straße entlang schlendern. Viele sind auf dem Weg zur Kirche. Faszinierend zu beobachten: sofort erkennt man, in welche Richtung das nächste Dörfchen mit Kirche liegt.

 

Die Fahrt hinein ins „Lowveld“ ist unglaublich abwechslungsreich. Die Vegetation verändert sich ständig, und je näher wir kommen, desto trockener, karger und weiter wirkt die Landschaft.

Die Zufahrt von der Hauptstraße zum Parkeingang Gonarezhou überrascht uns: sie ist erstaunlich gut. Wir passieren zwei Gates, bis wir am Haupteingang stehen. Das Camp direkt nach dem Gate liegt am Rude River, besteht aus neun Plätzen – und wie so oft haben wir Glück und ergattern den letzten freien Platz. Am Gate buchen wir gleich noch zwei weitere Nächte in Fishans-Camp und Bopomela Camp. Nur diese zwei Camps sind nicht frei, alle andern sind ausgebucht.

 

Jetzt sitzen wir auf Platz Nr. 9 im Chipinda Pools, direkt am Ufer des Rude Rivers. Wir grillen ein saftiges Rindsfilet. Um uns herum hören wir die Hippos, ein tiefes, kehliges „Mühhhhhh“, das die ganze Nacht durch die Stille hallt und der Wind fegt unaufhörlich, fast beängstigend um unser Zelt. Sicher hat keiner von uns so richtig tief geschlafen!

Montag:

Kurz nach 5 Uhr beginnt es zu dämmern, und kurz darauf klettern wir aus dem Zelt. Wir trinken einen Tee, packen zusammen und machen uns auf den Weg zu einem Morgendrive. Kurz nach dem Camp steigt die Straße steil an, und wir genießen einen fantastischen Ausblick auf den Runde. Wir sehen Impalas, Kudus mit wunderschönen Hörnern, Wasserböcke und – mit viel Glück – zwei Breithornnashörner.

 

Zurück im Camp bereiten wir unser Müesli mit Früchten und Joghurt zu, trinken Kaffee und machen uns dann auf den Weg Richtung Fishans Camp. Die Fahrt ist sehr abwechslungsreich. Kudus, Impalas, Wasserböcke, Elefanten und viele verschiedene Vögel begleiten uns. Auf dem Picknickplatz Chilojo, direkt gegenüber den Chilojo-Cliffs, machen wir unseren Mittagsstopp. Es gibt Thonsalat mit Gurken, Tomaten und Zwiebeln. Wie überall sind wir bald in bester Gesellschaft der Affen.

 

Für unser Nachtcamp müssen wir den Runde überqueren. Die Straßen sind gut beschildert, aber ein paar Irrfahrten entstehen, weil wir die Kennzeichnung am Steinwegweiser falsch interpretieren. Schließlich kommen wir doch in unserem Camp an. Nach dem Nachtessen müssen wir das Lagerfeuer mit Sand löschen, da der bereits aufkommende Wind die Glut nur so durch die Luft wirbelt. Wir verschieben unser Fahrzeug noch einmal, weil wir direkt unter einem Baum stehen und der Wind etwas unheimlich wird. Die ganze Nacht über rüttelt und schüttelt er unser Zelt, und gegen Morgen beginnt es stark zu regnen.

 

Die Nacht ist so unruhig, dass wir am Morgen nicht wirklich ausgeschlafen sind. Jürg hat Probleme mit seiner linken Hand: Am Abend wollte er noch das Außenzelt fixieren, rutschte ab, fiel auf die Hand (linker Mittel- und Ringfinger sind am nächsten Tag geschwollen) und zog sich eine Schramme am Unterarm zu.

 

Dienstag:

Heute stehen wir nicht sooo früh auf. Es regnet noch ein wenig. Wir lassen unsere Zelte vom aufkommenden Wind abtrocknen und verlassen unser Wildcamp – die Wildtiere haben sich durch den Regen verzogen, kein Schwanz weit und breit – erst gegen 9.00 Uhr.

 

Wir fahren zu den Chilojo Cliffs. In einem grossen Bogen umfahren wir die Hügelkette und bemerken kaum, dass wir Höhenmeter um Höhenmeter Richtung Cliffs gewinnen. Grosse Impala-Herden begleiten uns. Der erste Aussichtspunkt auf den Cliffs bietet uns eine unglaubliche Sicht auf die Felsen und die weite Runde-Ebene, die zu unseren Füssen liegt. Es ist kalt und windig, und es sieht so aus, als würde dieser Tag ohne Sonne vergehen.

 

Beim zweiten Aussichtspunkt wird dann endlich gefrühstückt. Es ist bereits 11.00 Uhr. Jürg stellt mit Schrecken fest, dass unser linkes Hinterrad Luft verliert. Wie durch ein Wunder hört er das zischende Geräusch und kann mit dem Pneureset das Leck flicken. Unerklärlich, wie dieses winzige Loch in unseren Reifen gekommen ist.

 

Das Camp für die zweite Nacht liegt wieder in der Ebene direkt am Runde. Schon bei der Anfahrt sehen wir verschiedene Wildtiere: Schakale, Gnus, Impalas und Hippos an der Riverbank.

 

Mittwoch:

Unser Ziel ist es, den Park über das Nordgate zu verlassen. Die Fahrt dorthin ist abwechslungsreich: Wir überqueren einen Fluss und machen Mittagspause an einem kleinen See, der voller Nilpferde ist. Unglaublich – überall, wo man hinsieht, tauchen sie wieder auf oder stehen im Wasser, umgeben von Wasseralgen, und fressen ununterbrochen. Viele Jungtiere tauchen in den Herden auf, gut bewacht von ihren Müttern, und verschwinden nach kurzer Zeit wieder.

 

Auf der anderen Seeseite kommen Elefanten, Zebras, Gnus und Warzenschweine ans Ufer, um zu trinken. Dieser „Picnic-Side“ ist optimal für Tierbeobachtungen gelegen. Auch Vögel sind hier in Hülle und Fülle – im Wasser und am Land.

 

Am Gate hilft uns der Gatekeeper, eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Das ist nicht einfach. Er telefoniert mit zwei Handys und gibt sein Bestes. Da wir noch etwa 50 km von der Hauptstraße nach Mutare entfernt sind und die Strasse nicht geteert ist, möchten wir möglichst in der Nähe des Gates übernachten.

 

Die Lodge für 320 $ pro Person ist uns einfach zu teuer, und der im Buch angegebene Campingplatz ist belegt – dort sind Jäger, die ein Jagderlebnis auf Elefanten gebucht haben.

Unser sehr engagierter Parkmitarbeiter ist schliesslich erfolgreich: Wir können an der ersten Barriere des Parkausgangs übernachten. Der Leiter – nicht der Boss – empfängt uns mit einem strahlenden Lächeln. Toilette und fließendes Wasser – was für ein Angebot!!

 


Gonarezhou NP - Masangula Lodge

Donnerstag, 2. Oktober - Freitag, 3. Oktober 2025


Donnerstag:

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum letzten Gate. Ein Baum voller Webervögel-Nester, die wie glitzernde Weihnachtskugeln am Christbaum hängen, zieht sofort unsere Blicke an. Es herrscht ein emsiges Treiben – selbst die Webervögel scheinen zu wissen, dass Morgenstunden Gold im Mund haben.

 

Die Fahrt zur Hauptstraße führt uns vorbei an kleinen Dörfern, die wie lebendige Miniaturen wirken. Überall sehen wir Menschen, die die Dächer ihrer Häuser neu mit Stroh decken. Die Regenzeit rückt näher, und jedes Haus soll, wenn möglich, dicht sein. Dabei wird uns bewusst, wie anders das Leben hier ist: Tag für Tag dieselben Aufgaben, immer die Frage, wie das Essen für die Familie auf die Teller kommt.

 

Kleine Gärten voller afrikanischem Spinat, Mais und saftiger Tomaten säumen den Weg. Kühe mit ihren Kälbern fressen das Heu direkt vom Boden – kein mühsames Einbringen nötig. Esel, Ziegen und Schafe grasen auf den kargsten Flächen, bei denen wir uns fragen, wie überhaupt etwas wächst. Und doch wirken alle Tiere gesund und zufrieden.

 

Auf der A10, der Hauptverbindung von Bulawayo nach Mutare, machen wir einen Abstecher zur Birchenough Bridge – ein beeindruckendes Pendant zur Brücke in Sydney. Ein Lastwagen, randvoll beladen mit Bananen, kreuzt unseren Weg. So viele Früchte auf einmal haben wir noch nie gesehen.

 

In Mutare füllen wir nochmals unsere Dieseltanks auf und fahren dann etwa 30 km hinaus zur Masangula Lodge, wo wir ein Lodgehaus für vier Personen gebucht haben. Die Anlage ist atemberaubend, von einer deutschen Familie in den 1990er-Jahren an einen steilen Hügel gebaut. Unser Haus liegt am höchsten Punkt, mit Wohnzimmer, Küche, zwei Schlafzimmern, Bad und einer Veranda, die einen atemberaubenden Blick auf die Berge bietet – ein perfekter Ort zum Ausspannen und Geniessen.

 

Unsere erste Handlung: eine ausgiebige Dusche. Nach vier Tagen unterwegs fühlt sich das wie ein kleines Luxusritual an. Das Abendessen im Lodge-Restaurant ist ein Fest für die Sinne: frisch zubereitet, sorgfältig angerichtet auf farbigen Tellern mit afrikanischen Mustern. Karottensuppe mit Ingwer, eine Art Filet Stroganoff mit Chips, Kartoffelstock oder Couscous – alles köstlich. Zum Abschluss gibt es Eiscreme. Danach ist der Spaziergang den Berg hinauf zurück zu unserem Lodgehaus genau das Richtige, um den Tag in Ruhe ausklingen zu lassen.

 

Freitag:

Heute ist ein Ausruhtag. Wir lesen, chillen und machen einfach mal gar nichts – einfach nur den Moment geniessen. Trotzdem vergeht die Zeit immer viel zu schnell. Am Abend grillen wir und geniessen das gemütliche Zusammensein an einem richtigen Tisch. 

 


Musangano Lodge - Vumba Mountains Botanischer Garten

Samstag, 4. Oktober 2025


Bevor wir losfahren, gibt’s erstmal ein ausgedehntes Frühstück im Lodgerestaurant. Danach geht’s zurück nach Mutare. Heidi und Rolf machen sich auf die Suche nach einer Schraube, die das Reserverad an der Hintertür halten soll. Seit sie fehlt, vibriert das Rad so stark, dass irgendwann sogar der Grill unterwegs - irgendwo - von alleine "ausbüxte".

 

Als wir dann auf der anderen Seite von Mutare in Richtung Botanischer Garten abbiegen wollen, stossen wir auf einen Roadblock wegen Strassenbau. Also wieder zurück durch die Stadt und auf die Strasse, die der Reiseführer empfiehlt. Aber schon der erste Abschnitt wird zum Abenteuer: Lastwagen, die von und nach Mosambik fahren (nur 8 km von der Grenze entfernt), kommen uns teilweise dreispurig entgegen. Rücksicht? Fehlanzeige. Am Ende geht gar nichts mehr – weder vorwärts noch rückwärts. Lustig und nervenaufreibend zugleich, einfach das Chaos zu beobachten.

Nach fast zwei Stunden erreichen wir endlich den Abzweiger zum Botanischen Garten. Die Strasse schlängelt sich den Berg hinauf, und schnell gewinnen wir Höhe. Kurz vor dem Parkeingang wird der Wald dichter, fast schon Regenwald, und die Luft spürbar feuchter.

 

Mittagspause auf einem Parkplatz im Park und danach ein Rundgang zu Fuss. Krass zu sehen, wie viele Blumen, die wir sonst im Sommer in Töpfen oder Beeten pflegen, hier einfach so in der Natur wachsen. Da wird einem erst bewusst, wie viele Pflanzen eigentlich aus völlig anderen Teilen der Welt stammen.

 

Auf dem Campingplatz sind wir komplett allein. Sobald die Sonne weg ist, wird’s richtig kalt – Stirnband und Fleecejacke sind Pflicht. Jürg und Rolf kämpfen sich am Grillplatz durchs nasse Holz. Das Beil ist zu klein, das Holz nass – aber die zwei kriegen es hin, aus dem Chaos ein Feuer zu machen. Endlich genug Feuer für die Buurewurst. Danach positionieren wir unsere Fahrzeuge hinter eine Hecke, um wenigstens ein bisschen windgeschützt zu schlafen. In der Nacht beginnt es zu regnen und im Zelt wird es ungemütlich: kalt, feucht – Abenteuer pur? oder auch nicht!

 


Vumba Mountains - Nyanga Nationalpark

Sonntag, 5. Oktober 2025


Nach dieser kalten, nassen Nacht sind wir alle vier nicht wirklich ausgeschlafen. Die Feuchtigkeit hängt schwer in den Bäumen, der Nebel liegt dicht über der Landschaft. Also packen wir das Zelt nass zusammen, trinken noch eine warme Tasse Tee und machen uns auf den Weg.

In Mutare ist es noch ruhig an diesem Sonntagmorgen, obwohl Pick n Pay und Spar schon geöffnet haben. Kurz hinter der Stadt biegen wir ab Richtung Penhalonga, ein altes Goldgräberstädtchen. Ein Dorf, in dem man lieber nicht anhält: Überall stehen blaue Plastikunterstände über Löchern, deren Zweck wir lieber nicht näher betrachten.

 

Von dort führt uns eine gelb markierte Straße Richtung Nyanga durch eine hügelige Landschaft. In der Ferne zeichnen sich imposante Bergzüge ab. Auf einer kleinen Anhöhe frühstücken wir im Sonnenschein – herrlich, wie die Sonnenstrahlen uns wärmen.

 

Kurz vor der Abzweigung zum Matarazi-Wasserfall machen wir Halt bei einer Forellenzucht. Hier gibt es sogar Espresso aus einer Kolbenmaschine! Wir kaufen Forellenfilets zum Grillen und fahren anschliessend weiter Richtung Wasserfall.

 

Jürg, Heidi und Rolf unternehmen einen Rundgang über die Hängebrücken – mit Spannweiten von 30 und 90 Metern –, während ich einen Spaziergang zum Viewpoint mache. Die Brücken und der Skyline-Pfad wurden erst 2019 eröffnet. Von hier aus reicht der Blick beeindruckend weit nach Osten bis nach Mosambik.

 

Nach einem kurzen Mittagessen geht es weiter in die Highlands. Die Strasse ist steinig und uneben, doch die Landschaft ist atemberaubend. Auf etwa 2.000 m über Meereshöhe treffen wir auf Kühe, Rinder und Kälber, die auf der trockenen Hochebene nach Futter suchen. Sie sehen gesund aus, und wir denken daran, wie viel Aufwand es in der Schweiz kostet, Tiere zu halten.

Unterhalb des höchsten Berges Simbabwes entdecken wir einen auf der Karte eingezeichneten Parkplatz. Dort stehen zwei Häuser: eines bewohnt von Angestellten, das andere mit Toiletten für Damen und Herren. Sauber, mit fließendem Wasser und WC-Papier – ein Luxus, den wir in noch keinem anderen afrikanischen Land erlebt haben.

 

Nach dieser ruppigen Fahrt gönnen wir uns eine Tasse Kaffee und fahren weiter Richtung Mata-Dam. Da die Siedlung kaum belebt ist, geht es weiter bis zur Mata-Campsite. In einem kleinen Fichtenwald schlagen wir unsere Zelte auf. Schnell ist der Holzboiler angezündet, wir können duschen, grillen und uns aufwärmen. Die Grillstelle dient gleichzeitig als Heizung, nötig bei der Kälte.

Die Sonne verschwindet hinter den Bergen, die Temperatur sinkt rapide, und wir ziehen uns früh ins Zelt zurück, packen alles, was wärmen kann, hinein. Die Nacht wird bitter kalt – aber wir fühlen uns sicher, geborgen und zufrieden.

 


Nyanga NP - Harare

Montag, 6. Oktober - Dienstag, 7. Oktober 2025


Montag:

Am Morgen liegt hinter unserem Zelt Bodenfrost. Alles glitzert leicht im ersten Sonnenlicht, und die Luft ist noch eiskalt. Zum Glück brennt das Feuer für den Boiler schon wieder, und wir wärmen uns daran auf. Sobald die Sonne höher steigt, kommt auch die Wärme zurück, und wir können in den morgendlichen Sonnenstrahlen frühstücken – ein schöner Start in den Tag.

 

Heute geht es nach Harare. Unser Ziel ist ein kleines Boutique-Hotel am nordöstlichen Rand der Hauptstadt. Doch die Suche nach der Unterkunft gestaltet sich schwieriger als gedacht. Zuerst halten wir bei der falschen Hausnummer, sind aber überzeugt, richtig zu sein. Die Besitzerin des Hauses, eine Simbabwerin, die gerade aus Amerika zurückgekehrt ist, lädt uns freundlich ein, bei ihr zu übernachten. Sie war in Amerika … Priesterin (ja, echt!), und plaudert ein bisschen zu viel, sodass wir ihr Angebot höflich ablehnen und weiter nach der Nummer 964 suchen. Dank Google Maps finden wir schließlich unser kleines, perfekt passendes Haus. 80 $ pro Zimmer – in Harare! Wir sind zufrieden.

 

Mit dem Wasser gibt es allerdings ein paar Überraschungen: Die Wassertanks müssen erst mit Wasser aus einem Tankwagen gefüllt werden. Kein Wunder, dass hier alles etwas komplizierter wird, sobald kein fliessendes Wasser aus der Leitung kommt. 

 

Eigentlich wollten wir im Guesthouse zu Abend essen, doch die Köchin steckt im Stau und schafft es nicht rechtzeitig zurück. Also machen wir uns auf den Weg in ein nahegelegenes Grillrestaurant. Das T-Bone-Steak sieht auf der Speisekarte verlockend aus, entspricht aber dann nicht ganz unseren Vorstellungen – ein bisschen zu viel Fett – aber immerhin gut zubereitet.

 

Endlich zurück im Hotelzimmer freuen wir uns auf ein warmes Bett. Die Kälte der letzten Nacht wollen wir auf keinen Fall noch einmal erleben. Zum Glück liegt eine dicke Decke bereit, und so lassen wir uns zufrieden ins warme Bett fallen. Auch diese Nacht bleibt kühl, aber wir sind vorbereitet – und das macht alles gleich viel gemütlicher.

 

Dienstag:

Für das Frühstück ist die Köchin wieder im Haus. Es wird nicht einfach nach Wunsch serviert, sondern nach Michel’s Gusto. Es gibt Müesli mit frischen Früchten und Joghurt, Rührei, gebratenen Schinken, ein Stück Buurewurst (kalt) und weiße Bohnen gemischt mit Büchsenfleisch – alles ziemlich fleischlastig.

 

Danach fahren wir in das nahegelegene Einkaufszentrum Highland, das Michel empfiehlt. Es gibt dort verschiedene Läden, viele Restaurants und Cafés (mit Kolbenmaschinen) sowie sogar eine Eisdiele. Das ganze Zentrum wirkt sehr sauber und gut organisiert.

 

Zurück im Guesthouse telefonieren wir mit Marina und geniessen anschliessend einen ruhigen Nachmittag. Zum Zvieri serviert uns Michel Kaffee mit einem sehr süssen Kuchen und Eiscreme. Zum Abendessen kocht sie zur Vorspeise Salat oder Suppe, danach gibt es ein Viertel Poulet in Lemon Sauce mit gebratenem Reis.

 

Wohl genährt gehen wir, wie üblich, eher früh ins Bett.

 


Harare - Tengenenge - Mushumbi Pools

Mittwoch, 8. Oktober 2025


Heute starten wir mit einem Frühstück aus unserer eigenen Küche – ein richtiges Müesli, voll mit frischen Früchten. Einfach perfekt, um in den Tag zu starten! Unser Ziel ist Tengerenge, und danach wollen wir noch ein Stück weiter Richtung Mana Pools fahren.

 

Die Fahrt führt uns an weiten, fruchtbaren Feldern vorbei. Teilweise sind sie noch mit Getreide bepflanzt, doch viele Flächen liegen brach und wirken verlassen. Man kann sich gut vorstellen, dass hier früher einmal lebendige Landwirtschaft betrieben wurde. Die letzten 30 km vor Tengerenge geht es auf einer staubigen Lateritstrasse weiter. Ganz in der Nähe von Tengenenge bauen die Chinesen Chrom ab. Die vollbeladenen Lastwagen rasen uns entgegen und wirbeln so viel roten Staub auf, dass wir für kurze Zeit kaum etwas sehen – ein Bild, das uns sofort an unsere Sunjani–Mim Road erinnert.

In Tengenenge werden wir herzlich von Cosmos empfangen. Er führt uns zu den Steinskulpturen und beantwortet geduldig all unsere Fragen. Es ist faszinierend, ihm zuzuhören. Die Künstler hier arbeiten mit drei verschiedenen Gesteinsarten: Der eine wird nach der Bearbeitung schwarz, der andere grün oder braun.

Der Stein wird sorgfältig in Form gemeisselt. Anschliessend schleifen die Künstler die rauen Stellen mit feinem Sandpapier, bis die Oberfläche perfekt glatt ist. Dann wird der Stein erhitzt und mit Wachs poliert. Durch die Wärme dringt das Wachs tief ein, und die unterschiedlichen Farben kommen erst so richtig zur Geltung. Jede Skulptur trägt die Handschrift eines Künstlers aus dem Dorf – kein Werk gleicht dem anderen.

 

Heidi und Rolf finden sofort ein Lieblingsstück. Leider ist die Skulptur etwas zu lang, um sie gut im Reisegepäck zu verstauen. Also entscheiden sie, sie per Air zu verschicken. Cosmos kümmert sich um alles – vom Preis bis zum Transport.

 

Von Tengenenge fahren wir weiter nach Guruwe. Laut Reiseführer sollten wir dort im NP-Büro eine Permit für die Durchquerung der Parks bis Mana Pools lösen. Doch Guruwe ist ein abgefackeltes, verlassen wirkendes Dorf. Nach langem Suchen finden wir nichts. Also tanken wir noch einmal – Diesel ist hier nicht überall erhältlich – und setzen unsere Fahrt Richtung Mushumbi-Pool fort.

Die Strecke führt uns durch das typische afrikanische Niemandsland. Vereinzelt liegen kleine Dörfer am Wegesrand, aber immer wieder fragen wir uns, wie die Menschen hier ihren Lebensunterhalt bestreiten.

 

In Mushumbi-Pool hat Heidi dank Google Maps ein Camp etwas ausserhalb des Dorfes an der Mahenye Primary School gefunden. Für die Studenten sind unsere beiden Fahrzeuge mit Dachzelt eine richtige Attraktion. Sie kommen neugierig auf uns zu, begrüssen uns freundlich, stellen sich vor und wollen alles über unsere Reise wissen.

Die Toiletten und Duschanlage hinter der Küche werden blitzblank für uns gereinigt – ein wirklich netter Empfang! Der Direktor, den wir selbst nie zu Gesicht bekommen, lässt über die Vorzimmerdame 60 $ für die Übernachtung verlangen (je 15 $ pro Person). Die Studenten müssen von 19 bis 20.30 Uhr noch einmal in die Klassenzimmer, um Hausaufgaben zu machen. Die Lehrer sind längst nach Hause gegangen. Danach kehren einige Schüler ins Dorf zurück, andere übernachten auf dem Schulgelände. Viele sind Austauschstudenten, die für drei Monate aus Harare hier sind.

 


Mushumbi Pools - Mana Pools NP

Donnerstag, 9. Oktober - Freitag, 10. Oktober 2025


Donnerstag:

 

Maps.me verunsichert uns schon zu Beginn: über 9 Stunden bis zu den Mana Pools! 9 Stunden? Das kann doch nicht sein – es sind nur 140 km, und bisher war die Straße gar nicht sooo schlimm. Wir ahnen schon: die Realität wird uns bald einholen.

 

Und dann ist es soweit. Steile, steinige Abgänge über ausgetrocknete Flussbetten zwingen die Reifen zum Quietschen. Holpriger Sand wechselt sich mit wellblechartigen Abschnitten ab. Jeder Schlagloch wird zu einer kleinen Herausforderung, und die beiden Fahrer sind gefordert. 

 

Endlich erreichen wir das erste Gate – und bekommen direkt den nächsten Schlag: wir müssen zum Hauptgate, weitere 45 km Wellblechpiste, um uns anzumelden und einen Campingplatz zu reservieren. Also noch einmal zurück ins Fahrzeug. Die Landschaft zieht an uns vorbei, unbeeindruckt von unserem Schweiß. Die 7 Stunden reine Fahrzeit von Maschinga Pools bis zum Hauptgate erscheinen unendlich, aber wir kommen an.

 

Auf dem Campingplatz dürfen wir unseren Stellplatz wählen – Schatten ist ein Muss. Platz Nr. 16 „Riverside“ wird unser kleines Paradies. Kaum stehen wir, ziehen Elefanten gemächlich am Flussufer vorbei. Zuerst erschreckend nah, dann vertraut – sie sind einfach ein Teil dieser Landschaft. Der Sambesi glitzert, und die Hippos tauchen und grunzen im Wasser, lassen uns staunend zuhören und zusehen.

 

Zum Abendessen brutzelt das Rindsfilet auf dem Grill, dazu die Kartoffeln direkt im Feuer – einfach perfekt. Es ist schon dunkel, als auf Platz Nr. 17 noch ein Fahrzeug eintrifft. Fünf Personen beginnen, ihre drei Bodenzelte aufzubauen: zwei deutsche Paare und ein simbabwischer Guide. Die Geräusche der Wildnis um uns herum vermischen sich mit dem leisen Klappern der Zeltstangen. 

 

Freitag:

Nach einem Tee machen wir uns auf zur Morgenpirsch. Die frühen Stunden bringen ein ganz anderes Licht, und die Welt sieht plötzlich völlig verändert aus. Wir sehen viele Impalas, Warzenschweine, eine Löwenfamilie mit vier Jungen, ein einzelnes Löwenmännchen, Wasserbüffel, ganz verschiedene Vögel und natürlich Elefanten. Auffallend ist, dass es sehr viele Jungtiere und mittelgrosse Grauhäuter hat. Mana Pools kommt uns ein bisschen wie ein grosser Zoo vor. Die Tiere bewegen sich hauptsächlich entlang des Sambesi, und so hat man mit einem Drive auf der River Road die grösste Chance, Wildtiere zu sehen.

Am Nachmittag machen wir es uns unter dem grossen Schattenbaum auf unserem Stellplatz gemütlich. Zuerst befreien wir jedoch unseren Jeep etwas vom roten Sand – die Fahrerkabine sah gar nicht mehr so koscher aus. Auf den Abenddrive verzichten wir und bleiben auf Platz Nr. 16. Da alle anderen unterwegs sind, wirkt der Campsite fast verlassen, und das machen sich die Tiere zunutze. Elefanten und zwei Elenantilopen suchen auf dem sandigen Boden nach etwas Essbarem.

Ein Elefant läuft über unseren Platz und sucht den Abgang, den er etwas weiter vorne findet, hinunter zum Sambesi. Zwei weitere Elefanten beobachten wir dabei, wie sie den Fluss überqueren – allerdings nicht auf direktem Weg, denn sie müssen zwei im Wasser schlafenden Hippos ausweichen. Und das alles in der Abendsonne: ein wunderschönes Bild.

Jürg und ich beschliessen, bereits am nächsten Tag nach Kariba weiterzufahren und nicht drei Tage in Mana Pools zu bleiben. Die Kommunikation mit Heidi und Rolf läuft am Abend etwas schief, was zu einer unangenehmen Auseinandersetzung führt. Diese wird jedoch geklärt, und wir können danach wieder normal miteinander umgehen.

 


Mana Pools - Kariba

Samstag, 11. Oktober - Sonntag, 12. Oktober 2025


Samstag:

Am frühen Morgen begrüßt uns das Auto mit einer Überraschung: hinten rechts ein platter Reifen. Na wunderbar. Noch bevor der Morgentee eine Chance hat, tauschen Jürg und Rolf das Reserverad – routiniert und erstaunlich gelassen.

 

Heidi und Rolf machen nochmals einen Morgendrive. Wir stellen währenddessen unsere Campingstühle ans Ufer des Sambesis und warten, bis sie zurückkommen. Die Stimmung ist ruhig, der Fluss liegt friedlich vor uns. Danach frühstücken wir gemütlich und machen uns auf den Weg nach Kariba.

Die gleichen 45 Kilometer wie schon auf der Hinfahrt liegen wieder vor uns, dann geht es rechts weg Richtung Marongora. Auf der A1 fahren wir weiter bis Makuti. Bei der Abzweigung legen wir einen Lunchstopp in der Travel Lodge Makuti ein. Stanley, der Kellner, ist ein echtes Original – mit einem grandiosen Humor. So trocken und schlagfertig, wie er reagiert, kann das wirklich nur ein Schwarzer. Wir lachen viel, und die Pause tut gut.

Mike hat uns das Lomagundi Resort in Kariba empfohlen und gleich nachgefragt, ob zwei Chalets frei sind – zum Glück hat es geklappt. Schon bei der Ankunft werden wir herzlich empfangen: Drei Zebras grasen seelenruhig im Garten. Lomagundi ist eine schöne Anlage mit Chalets, Campingplatz und einem Restaurant, alles sehr gepflegt und angenehm.

Am Abend ist das Restaurant gut besucht, viele einheimische Weisse treffen sich hier. Auch wir essen heute „auswärts“. Von der Terrasse aus beobachten wir, wie zwei Hippos gemütlich vorbeimarschieren und schließlich im Wasser verschwinden. Ein perfekter Tagesabschluss – ruhig, eindrücklich und ganz Afrika. 

 

Sonntag:

Am Morgen spazieren wir vom Resort über die Sandbank hinüber zum See. In der Bucht liegen die Hippos träge im Wasser, nur Augen und Ohren ragen heraus. Unzählige Vögel begrüssen uns mit ihrem Gesang – ein wunderschöner Start in den Tag. Danach frühstücken wir gemütlich im Restaurant.

Damit wir am Montag auf direktem Weg zum Fährenplatz fahren können, unternehmen wir heute einen Abstecher zum Hafen. Gar nicht so einfach, ihn zu finden. Nach einigem Suchen hilft uns ein junger weisser Simbabwer und führt uns schliesslich zur richtigen Stelle. Fährenhafen gefunden – gut zu wissen.

Anschliessend machen wir uns auf die Suche nach einem Supermarkt. In Kariba selbst werden wir nicht fündig. Erst ein Blick in den Hupe-Reiseführer bringt uns weiter: Ganz in der Nähe unseres Resorts, im Nachbarsdorf Nyamhunga, soll es einen Pick and Pay geben. Und tatsächlich – wir finden ihn.

Da wir vom Mana Pool noch Holz mitgebracht haben, kaufen wir Fleisch, Hamburger zum Grillieren. Der Abend kann kommen.


Kariba mit der Fähre nach Mlibizi - Viktoria Falls

Montag, 13. Oktober - Dienstag, 14. Oktober 2025


Montag:

Beim Frühstück im Lodge-Restaurant erhielten wir beim Bezahlen plötzlich eine Quittung. Das kam uns seltsam vor, denn am Samstag beim Nachtessen und auch am Sonntagmorgen hatten wir keine bekommen. Wir entschlossen uns, den weissen Manager darüber zu informieren, der über das Wochenende nicht in der Lodge gewesen war – offenbar sei ziemlich sicher, dass jemand ein paar unserer Dollars abgezwackt habe.

Also informierten wir ihn. Der Manager wollte ganz genau wissen, was wir konsumiert hatten und zu welchen Zeiten. In seinem Gesicht war deutlich zu lesen, wie unglücklich ihn dieser Vorfall machte. Offenbar hatte einer seiner Angestellten, der schon lange für ihn arbeitete, sein Vertrauen missbraucht.

Ja – andere Länder, andere Kulturen …

Als wir beim Fährenhafen ankommen, sind bereits vier Jeeps mit Anhängern am Verladen. Jeder noch so kleine Freiraum wird ausgenutzt. Die Fahrzeuge stehen so dicht, dass ein Südafrikaner sogar aus dem Fenster klettern muss, weil sich seine Autotür nicht mehr öffnen lässt.

Unsere Fahrzeuge kommen als letzte auf die Ladefläche. Bei unserem Wagen wird das Dachzelt abmontiert. Leider bemerkt der Ausführende nicht, dass eine Schraube, die von oben aufgedreht wird, nicht in dieselbe Richtung gedreht werden darf wie eine, die von unten kommt. Das Resultat: Eine von vier Schrauben ist kaputt.

Als schließlich alles verladen ist, könnte die Fahrt eigentlich beginnen. Doch in den letzten vier Tagen, seit die Fähre eingelaufen ist, ist der Wasserpegel merklich gesunken – nicht wegen Trockenheit, sondern weil an der Staumauer mehr Strom zur Erzeugung von Devisen produziert wurde. Wohin dieses Geld letztlich fliesst, weiss niemand so genau.

Wir können nicht auslaufen: Der vordere Teil der Fähre steckt im Schlamm fest. Der Kapitän versucht es immer wieder, doch alle Manöver bleiben erfolglos. Schliesslich wird ein Fischerboot zu Hilfe gerufen, das uns aus dem Schlamm schleppt.

Mit anderthalb Stunden Verspätung beginnt unser Abenteuer dann endlich.

 

Vier Simbabwer mit einer grossen, voll mit Bier beladenen Kühlbox beginnen ihren feucht-fröhlichen Trip bereits vor der Abfahrt. Dazu kommen vier Südafrikaner, die wir schon im Mana Pool getroffen haben, zwei Guides, die Safari-Fahrzeuge nach Hwange zurückbringen, sowie ein lustiges schwarzes Pärchen. Das sind die Passagiere auf der Fähre.

 

Zur Crew gehört Iln, ein weisser Simbabwer in dritter Generation. Wir nennen ihn „Leader“, da er für den gesamten Ablauf und die Organisation verantwortlich ist. Dazu kommen der Kapitän und etwa sechs junge Männer, die sowohl in der Küche arbeiten als auch beim An- und Ablegen mithelfen. Je nach Einsatz wird einfach das Oberteil gewechselt: In der Küche tragen alle Schwarz, für Arbeiten auf dem Schiff ein weisses Hemd mit Aufdruck. So ist für alle gut erkennbar, wer zur Crew gehört.

In der Küche wird geschnetzelt und gehackt, was das Zeug hält. Vollpension auf dem Boot – schwer vorstellbar, aber wir werden vom Feinsten verwöhnt. Zum Zmittag gibt es Poulet, Kabis- und Kartoffelsalat sowie Brot. Zum Znacht fein geschnittenes Fleisch (eine Art Braten), Poulet, Gemüse (Kürbis, Blumenkohlgratin, Kefen), Trockenreis und Bratkartoffeln. Abgerundet wird alles durch ein Dessertbuffet mit Käse, Creme, Kuchen und Glace. Alles schmeckt hervorragend.

 

Der Sonnenuntergang ist afrikanisch kitschig: ein kugelrunder, roter Ball, der langsam am Horizont verschwindet. Kurz nach 21 Uhr beginnt es in Strömen zu regnen. Alle verlassen das Aussendeck und flüchten unter das Dach. Gegen 22 Uhr beruhigt sich das Wetter wieder. Der Regen lässt nach, der Leader macht die Lichter aus und alle – ausser den würfelnden Südafrikanern, die sich aufs Oberdeck begeben – suchen sich einen Schlafplatz.

Im Innenraum der Fähre lassen sich die Sitze so herunterklappen, dass man fast wie in einem Bett liegen kann. Mir ist das jedoch zu eng, und so nehmen Jürg und ich eine Matratze und richten uns auf dem Aussendeck ein. Wie vom Leader vorausgesagt, kommt ein Sturm auf. Es beginnt zu winden und zu stürmen, jedoch ohne Regen, sodass wir draussen übernachten können.

 

Dienstag:

Gegen Morgen zeigen sich wieder Sterne am Himmel und gegen 5.30 Uhr erscheint der rote Feuerball erneut. Hallo, da bin ich wieder!

 

Das Frühstück ist wie im Hotel: Müesli mit Joghurt, Spiegeleier, Böhnli, Fleisch, Tomaten, Toast, Butter und Konfi. Auf der Fähre gibt es auf der rechten Seite zwei Toiletten und eine Dusche für die Frauen, auf der linken Seite dasselbe für die Männer – alles sauber und mit Wasseranschluss.

 

In Mlibizi kommen wir mit zwei Stunden Verspätung an. Die Überfahrt über den grössten Stausee der Welt – 223 km in 24 Stunden – ist sehr abwechslungsreich und wirklich ein Erlebnis. Das Anlegen im Ankunftshafen ist nochmals ein Highlight für sich. Wegen des tiefen Wasserstands ist es gar nicht so einfach, die Fährenausfahrt mit der Landestelle in Einklang zu bringen. Vieles wird von Hand ausnivelliert – bei uns in Europa würde das elektronisch oder hydraulisch gelöst.

 

Nachdem unser Dachzelt wieder montiert ist, geht die Fahrt weiter Richtung Victoria Falls, wo wir in der Lodge, in der wir bereits angekommen sind, noch eine zusätzliche Nacht gebucht haben.

Auf Tipp des Leaders fahren wir nicht auf der gelb eingezeichneten Strasse Richtung Lupote, sondern nehmen eine ungeteerte Abkürzung über Deka nach Hwange.

 

Nach dem Mittagessen holen wir uns bereits den dritten Platten. Wir haben zwischen Dornen geparkt und dabei prompt einen Stich abbekommen. Jürg ist inzwischen Profi im Radwechseln geworden – im Nu ist das Reserverad in der brütenden Sonne montiert und wir können weiterfahren.

 

Von Hwange nach Victoria Falls sind es genau 100 km. Die letzten 100 km. Müde, aber glücklich kommen wir im Hotel an. Ein vollbepackter Tag geht zu Ende. Unsere Villa-Zimmer sind bereit, ein feines Nachtessen rundet den Tag ab. Wir sind müde und freuen uns auf das bequeme Bett.


Viktoria Falls - Ende unserer Zimbabwe Rundreise

Mittwoch, 15. Oktober 2025 - 17. Oktober 2025


Ein Ausruhtag – ich glaube, den brauchen wir alle vier dringend.

 

Es war eine wunderschöne Reise:

Wir haben so viel gesehen, so viel erlebt, aber es war auch unglaublich anstrengend. Fast vier Wochen unterwegs zu sein hinterlässt Spuren, und nur zweimal am selben Ort zu übernachten fühlte sich fast wie ein Zuhause an. Jetzt muss all das Gesehene und Erlebte erst einmal in Ruhe nachwirken.

 

Mittwoch, Punkt 13.00 Uhr, wie vereinbart, werden unsere Fahrzeuge abgeholt. Jetzt ist es endgültig: Mit einem Hauch von Wehmut übergeben wir die Autos wieder an Bushlore. Ein seltsames Gefühl – ein kleiner Abschied von einem grossen Abenteuer.